Angst vor dem Abendmahl?

Liebe Gemeinde,

Nach dem Abendmahl mit den 3. Klässlern haben mich Senioren darauf angesprochen, dass heutzutage Kinder viel früher das Abendmahl bekommen. Und sie haben davon erzählt, wie zu ihrer Jugend-Zeit das Abendmahl etwas war, vor dem man beinahe Angst hatte. Man ist jedenfalls sehr vorsichtig damit umgegangen. Diese Fragen haben mich begleitet. Und ich wollte nahe an diesen Festtagen noch einmal etwas dazu sagen. Ich weiss auf welche Bibelstelle die Angst und Strenge zurückgehen, mit der man dem Abendmahl begegnet ist.

Diese Stelle steht im 1. Korintherbrief 11, 23-34: Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, 24 dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. 25 Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. 26Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.


27Wer nun unwürdig von dem Brot isst oder aus dem Kelch des Herrn trinkt, der wird schuldig sein am Leib und Blut des Herrn. 28Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem Brot und trinke aus diesem Kelch. 29Denn wer so isst und trinkt, dass er den Leib des Herrn nicht achtet, der isst und trinkt sich selber zum Gericht. 30Darum sind auch viele Schwache und Kranke unter euch, und nicht wenige sind entschlafen. 31Wenn wir uns selber richteten, so würden wir nicht gerichtet. 32Wenn wir aber von dem Herrn gerichtet werden, so werden wir gezüchtigt, damit wir nicht samt der Welt verdammt werden.

33Darum, meine lieben Brüder, wenn ihr zusammenkommt, um zu essen, so wartet aufeinander. 34Hat jemand Hunger, so esse er daheim, damit ihr nicht zum Gericht zusammenkommt. Das andre will ich ordnen, wenn ich komme.

Was ist das Abendmahl? Zuerst einmal ist das Abendmahl die Erinnerung an das letzte Essen, das Jesus mit seinen Freunden gegessen hat, bevor er am nächsten Tag am Kreuz sterben musste. Jesus hat dort gesagt, seine Freunde sollen sich immer wieder zum Essen treffen und sich an ihn erinnern. Eingeladen waren alle, die das wollten. Das ist ein grosser Unterschied zu anderen Religionen in der Antike. Vielleicht haben Sie schon römische oder griechische Tempel gesehen. Dort durften nur gesunde, reiche, freie Männer hin. Keine Kinder, keine Alten, keine Frauen, keine Kranken, keine Sklaven. Übrigens, Sklaverei war viele Jahrhunderte völlig normal. Menschen gerieten zum Beispiel in Kriegsgefangenschaft, wurden danach in die Sklaverei verkauft und galten damit als Teil des Haushaltes. So wie ein Möbelstück.

Aber wer sich mit dem Stil Jesu beschäftigt, sieht: Es gibt keine Menschen, die für Gott wichtiger sind als andere. Es sind alle eingeladen. Das haben die Christen dann auch gemacht. Sie haben sich zum Essen getroffen. Wieso treffen wir uns nicht zum Essen? Wieso ist das Abendmahl am Morgen? Einige Jahre nach der Gründung einer christlichen Gemeinde in Korinth, hat Paulus gemerkt, dass  diese Essen nicht funktioniert haben. Die armen Sklaven hatten gar nichts zum Essen dabei, die Reichen schon, die wollten aber nicht teilen. Und andere haben sich zu Hause betrunken und fanden das lustig, so ans Abendmahl zu gehen. Dann hat Paulus geschimpft. „Esst miteinander, behandelt euch gleich!“ Das ist verständlich, aber dann ist er für meinen Geschmack über’s Ziel hinaus geschossen: Er hat gesagt, die Menschen in der Gemeinde seien krank oder schon gestorben, weil sie das Abendmahl nicht anständig zusammen essen. – Er hat gedroht. Ich habe die Stelle im Predigttext zitiert. Wenn jemand in die Kirche kommt, und dumm tut, und das Abendmahl nimmt, dann wird er krank oder stirbt. Das hat den Menschen lange, lange Zeit Angst gemacht. Aber eben, da hat er übertrieben. Jesus selber hat immer gesagt, dass es nicht so einfach ist… Gott ist nicht dazu da, um zu strafen… Leider ist zu dieser Drohung noch etwas anderes dazugekommen: Man hat Jesus wörtlich genommen. Ganz wörtlich. Jesus hat ja oft in Vergleichen geredet: Seid schlau wie die Schlangen, seid friedlich wie die Tauben. Aber er hat nie gesagt, wir sollen zischen oder gurren… Beim letzten Essen hat er gesagt: Das ist mein Körper und der Traubensaft, das ist mein Blut. Man hat ihn wörtlich genommen. In dem Brot war plötzlich Christus drin, also Gott, und das Zeug konnte Dich umbringen, wenn Du nicht brav warst. Und wie kommt der Jesus dort rein? Beim Abendmahl hat Jesus gesagt, das ist … also ist er es, der sich selber reinmacht, also später der, der für ihn arbeitet, der Pfarrer. Und weil Jesus keine Frau hatte, durften die Pfarrer nicht mehr heiraten. Man hat Angst gehabt vor dem Abendmahlsbrot, Huuuaaah, da war Gott selber drin, das war wie Sprengstoff. Damit kann man zaubern. Und wenn Du nicht brav bist, dann kommt Gott und… Das war lange, lange Zeit so. Und so ist aus dem Essen für alle, aus dem Essen und der Erinnerung an Jesus ein Ritual geworden, bei dem Brot und Wein sich magisch aufladen, die Menschen Angst bekommen und sich nicht mehr wohl fühlen.

Das war dann das Abendmahl. Im Brot ist Christus, der Wein ist Blut Christi. Nicht nur in der katholischen Kirche ist das die Glaubenslehre. Auch der Reformator Martin Luther war dieser Meinung. Nur der Zürcher Reformator Zwingli hat gesagt, es sei eine Erinnerung. Um diesen theologischen Streit geht es mir heute aber gar nicht, mir geht es um etwas anderes. Es gab eine Gemeinsamkeit in der römisch-katholischen Kirche, bei den Lutheranern und bei den Reformierten. Nämlich: Menschen fühlten sich nicht mehr recht eingeladen. Die katholische Kirche hat klar festgelegt, wer nicht mehr kommen darf. Bei den Reformierten hat man eher gesagt, man müsse sich selber prüfen, ob man das nehmen darf. Ob man würdig sei. Was heisst das denn? Was machen dann vorsichtige Menschen? Sie gehen dem Abendmahl aus dem Weg. Und das finde ich schade. Oder man fängt an zu überlegen, wie sich das anfühlt, würdig zu sein, oder gläubig zu sein, oder fromm. Wie fühlt sich das an?  – Wissen Sie was? Ganz egal, welches Gefühl wir für das Abendmahl züchten. Wenn wir ein Gefühl aus der Schublade holen müssen, dann finde ich, ist die Verkehrheit vollkommen: Dann ist das Abendmahl ein Ritual, das schaden kann, das ausschliesst und zu dem man nicht kommen darf, wie man ist. Nein, Nein, Nein.

Als Reformierter sage ich: Gott ist für meinen Glauben nicht im Brot oder im Traubensaft, Gott will keine Angst machen. Gott kommt, wenn wir teilen. Wenn wir trösten und uns selber getröstet fühlen. Wenn wir miteinander singen und uns erinnern, dass jeder Mensch wertvoll ist. Wenn wir traurig sind, aber das traurig sein aushalten und dann eine neue Idee finden. Ich vertraue darauf, dass Jesus Christus alle Menschen ruft, ich vertraue darauf, dass Jesus Brot und Traubensaft als Erinnerung gemeint hat. Ich glaube, dass er wollte, dass wir etwas mit unserem Körper tun, gerade wenn unsere Gedanken vielleicht völlig durcheinander sind. Und ich glaube, dass das Abendmahl uns an alles erinnern soll, was uns tröstet und ermutigt. Um weiter zu leben. Deshalb denke ich auch, dass bereits Kinder dabei sein dürfen. Ich glaube, dass Gott sich nicht einmischt. Er ist dabei mit seiner Freude und seinem Frieden, wann immer wir das Beste aus unserem Leben machen. Jetzt bin ich am Schluss. Neben die Stelle von Paulus stelle ich die Verse aus Johannes 21: Der auferstandene Jesus Christus, der Menschen zum Essen einlädt. Das ist der Anfang und der Boden christlichen Glaubens. Amen

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