Beerdigung und Tod

Früher hat man gesagt, man muss nur zwei Dinge im Leben: Steuern zahlen und sterben. Das mit den Steuern ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Aber sterben müssen wir alle. – Eines Tages, werden die Hände, die das hier tippen, Knochenhände sein, oder zu Asche gemahlen. – Und ihre Augen, die den Text lesen, verbrannt oder begraben.

Wie soll ihr Begräbnis sein? Wo wollen sie beerdigt werden? Wer soll kommen? Stellen Sie es sich vor. Vielleicht auf einer Zugfahrt. Lassen sie die Gedanken schweifen.

Ich wünsche jedem Menschen ein würdiges Begräbnis. Aus verschiedenen Gründen: Weil wir wissen, dass wir gehen müssen, weil wir so unersetzlich sind, als ein Stück Widerstand gegen den Tod, um mich immer wieder daran zu erinnern. Weil nicht der Tod das Ende der Menschlichkeit ist, sondern seine Leugnung.

Ich finde die Frage dämlich, was ich tun würde, wenn ich wüsste, dass ich morgen sterben muss. Dann ist es auch egal, was ich heute tue. Komplexer ist die Frage, wenn es drei Wochen wären, die ich zu leben hätte. Oder drei Monate. Oder drei Jahre… Mir hat die Frage geholfen: „Was würde ich ändern, wenn ich wüsste, dass meine Zeit rasch abläuft?“ Ich habe es mir intensiv vorgestellt, und wusste augenblicklich, wo ich etwas aufgeben wollte… Es hat mich befreit.

Wie wollen Sie leben? Wann war es ein gutes Leben? Wie lange soll ein gutes Leben dauern? Was gehört zu einem guten Leben? … sehen Sie einen Lebenslauf vor sich? Sauber, ordentlich, geregelt, abgerundet?

Und wenn jemand zu früh gehen muss? Und wenn ich zu früh gehe? Und wenn ein Menschenleben zu verworren war, zu belastet? Was ist, wenn ich nicht schaffe und erreiche, was schön und gut und wertvoll wäre? Was, wenn jemand leidet, weil ich nicht mehr da bin? Was ist mit meinem Leiden, weil wichtige Menschen nicht mehr da waren?

Überlegen Sie sich, was Ihnen wichtig ist. Und trösten Sie sich: Die spannendsten Lebensgeschichten sind meist ziemlich unausgewogen. Grosses Talent, riesige Probleme, Strapazen, Unsicherheit. Weite Reisen. Entdeckungen. – Die spannendsten Lebensgeschichten… schreibt das Leben.

Wie es ein Freund mir gesagt hat: Vertrau darauf, wir werden Gnade finden. Ob wir früher oder später gehen, ob wir Urenkel sehen, oder Waisen zurück lassen, ob wir es schwer hatten oder leicht, ob wir erfolgreich waren, oder zerstreut, wir werden Gnade finden. Es gibt keine Instanz, die unser Leben an einem Verlauf misst.

Wer das glaubt, ist frei, grosszügig zu leben.

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