Die Kirche meiner Träume

Die Kirche meiner Träume ist klein und weiss, und steht auf einer Anhöhe, neben ihr liegt ein Friedhof mit uralten grossen Bäumen. Sie ist ein Ort, den Menschen zu allen Jahreszeiten besuchen. Und in allen Lebenslagen. Im Kirchlein liegt der schwache Duft nach Steinboden und nach Holz. Es hallt ein wenig, der Sänger beginnt unbewusst zu summen und zu singen. Wer ihn begleitet stimmt mit ein. Zu allen Anlässen gibt es Musik oder Poesie und Kunst in irgendeiner Form. Menschen bringen Babys, Kinder und Jugendliche lachen, Paare bezeugen ihre Liebe (wer immer sich liebt…), die Toten werden zur Ruhe gebettet. Man freut sich unbändig, man witzelt, oder nimmt sich die Zeit und trauert. Ob laut und heftig, oder leise, mit lachenden und weinenden Augen. Ob zu früh gestorben, oder uralt. Sanft, oder unter Schmerzen. Die Menschen nehmen sich die Zeit und geben ihren Toten das letzte Geleit. Und noch für den einsamsten Verstorbenen wird der Pfarrer ein paar Verse eines Gedichtes sagen und beten. Jeder Mensch bekommt ein Begräbnis. Der Friedhof und das Kirchlein sind ein Ort des Friedens. Wer will darf kommen und lernen, dass wir wachsen, lernen, lieben, bauen, wieder loslassen und vergehen. Wer will, darf aus Geschichten und Poesie lernen. Wir sollen das Leben lieben und es aushalten, statt vor ihm zu flüchten. Das Leben leben und aushalten, so wie Christus am Kreuz ausgehalten hat. Mit weit ausgebreiteten Armen.

Das Leben lieben und geniessen. So wie Christus seinen Freunden am See Genezareth am frühen Morgen Frühstück gemacht hat. Lieben und lernen im Blick auf das Kreuz, an das einer gehängt worden ist, weil er gesagt hat, er vergebe, weil er gesagt hat, wir sollen uns nicht fürchten, sondern ihm nachfolgen. Zu den Festen das Kirchlein schmücken und besonderes Essen zubereiten. Dieses Kirchlein wäre ein Ort, das soviel Frieden ausstrahlt, dass man Heimweh bekommt. Dieses unendliche Heimweh nach einem Zuhause, das einem niemand nehmen kann. Ein Zuhause, nicht bedroht von Gier, noch von Faulheit oder Dummheit. Ja, das wäre schön, wenn es dieses Kirchlein gäbe, in dem man sich für sein Heimweh nicht schämen muss. Und für die Tränen um die Menschen, die nicht mehr da sind. Ein Kirchlein, das die Tränen des Glücks umgibt, das ein Baby-Lachen auslöst. Ein Kirchlein, das die Träne umgibt, die man um eine Liebe weint, die nicht hat sein dürfen… Ein Ort, an dem Lachen oder Weinen gesegnet sind.

Ja, so ein Kirchlein und ein Friedhof wären schön. Und auf so einem Friedhof soll man mich eines Tages zur Ruhe legen. Ich warte nicht auf ein Ufo, das mich abholt, ich will nicht in der Cloud leben, ich lass mich nicht einfrieren. Ich bin aus Erde und zu Erde soll ich wieder werden. Und ich will nicht streiten, nach welchen Regeln, wir welchen Himmel erreichen können. Wenn nur alle Tränen abgewischt werden… Wenn wir nur nach Hause gehen. Denn bei allen widerwärtigen, gewalttätigen Diskussionen um Bekenntnisse und die richtige, wahre Religion glaube ich einfach:

Je ne suis qu’à Dieu et à la terre. E c’est un jour prochain, ce que je reviendrai à eux. (Amin Maalouf)

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