Hast Du nicht nur Kost und Logis im Pfarrhaus?

Es hat mich vor ein paar Jahren jemand gefragt: Du arbeitest doch nur am Sonntagmorgen? Und deshalb hast Du ein Pfarrhaus, d.h. Kost und Logis? Nein, ganz so einfach ist es nicht. Ich habe eine Matura, ein Studium und Weiterbildungen. Ich habe eine 100% Stelle und den entsprechenden Lohn dafür, dass ich ab 2015 im 8. Jahr als Pfarrer arbeite. Mag sein, dass die universitäre Ausbildung manchmal langweilig wirkt, oder nicht direkt für den Pfarrberuf vorbereitet. Die Uni schützt einen vor Fanatismus. Und sie bereitet einen (hoffentlich) darauf vor, dass man Alles auch anders sehen kann.

Ach ja, die Pfarrhäuser. Manche Schulfreunde vermuten, oder wünschen mir, dass ich so ein schönes, altes Pfarrhaus habe. Ein Riegelhaus, gross, mit Garten. Und mit einem stillen Arbeitszimmer. Ich freue mich, wenn mir jemand so ein Idyll wünschst. Nur… es ist eben ein Idyll, ein Ideal.

An ein paar Stellen mag es das Ideal noch geben. Ein Kollege am Rheinfall lebt glücklich in so einem herrlichen Pfarrhaus. Leider habe ich viele Geschichten gehört von ungepflegten Häusern, aufgeschobenen Renovierungen, lausigen Fenstern, grossen Heizkosten. Angeblich sind manche Laien-Behörden bequem oder neidisch. Längst nicht mehr alle Pfarrpersonen wollen im Pfarrhaus wohnen. Man fürchtet die Ansprüche an die Pfarrerin, den Pfarrer oder die Familie. Lieber lebt man auswärts. Man fürchtet die Bittsteller an der Türe, die Kommentare zu den eigenen Arbeitszeiten, die Gartenarbeit, die Kommentare zum Garten, das Geschwätz über die eigene Ehe und die Kinder…

Und doch gibt es diese schönen Häuser noch. Und es macht immer noch Sinn, dort zu wohnen, wo man als Pfarrer arbeitet. Es verbindet mit den Gemeindemitgliedern und verankert einen am Ort.

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