Jesus von Nazareth – Jesus Christus

Lunatic, Liar or Lord, hat C.S. Lewis über Jesus geschrieben. Verrückter, Lügner – oder Gott. Für einen Verrückten oder einen Lügner mochte er ihn nicht halten. Deshalb sei er Gott, der Mensch geworden ist.

So, und jetzt geht der Streit los. Entweder in die Richtung, dass die Berichte und Quellen das nicht hergeben, oder in die Richtung der Kirchengeschichte, in der die Theologen versucht haben, das mit Hilfe griechischer Philosophie aufzudröseln. Mensch und Gott? Zwei Wesen? Ein Wesen? Zwei Bewusstheiten? Mensch mit göttlichem Funken? Gott in menschlichem Mantel? Geboren von einer Jungfrau? Übernatürlich gezeugt, oder entstanden im Ehebruch, etc. etc. etc. – Es sind Menschen für das „filioque“ gestorben…

Ich bleibe für einen Moment bei der historischen Frage. Dort lautet die berechtigte Kritik, dass wir nur widersprüchliche Berichte und keine unabhängigen Quellen haben. Sehen wir es aber mal von der anderen Seite: Hätten wir Quellen und Evangelien und Berichte, die den Masstäben der Kritiker genügen würden; ohne Widersprüche, vollständige, gut erhaltene Manuskripte, haufenweise nicht-christliche Zeugen. Was würde passieren? Die Historiker würden als erste schreien: Betrug! Alles inszeniert!

Naja, es bleibt ein Denkspiel, denn solche Dokumente über Jesus wären gar nicht möglich gewesen. Denn die Evangelien versuchen etwas zu beschreiben, was so neu war, dass es den meisten Zeitgenossen nur als Irrsinn vorkommen konnte. So etwas konnte gar nicht so geschliffen notiert werden, dass es kaiserliche Beamte für wert befunden hätten, es in die Archive aufzunehmen.

Alles, was wir haben, sind Bruchstücke. Aber es waren mächtige Bruchstücke… Aus einer jüdischen Sekte mit einem hingerichteten Anführer wird nach 3 Jahrhunderten die römische Reichskirche, die das Imperium Romanum überlebt bis heute. War das Gottes Wille oder ein weltgeschichtlicher Zufall? Kann sein, dass es einfach gepasst hat. Kann sein, dass wir zu viel in diese Bruchstücke hineinlesen. Kann sein, dass wir zuviel in Jesus projizieren. Kann sein… Ich gebe den Historikern gerne Recht. Aber ich bin Seelsorger.

Ich erlebe es, dass die Verse Saiten in uns zum Klingen bringen. Die Verse lesen etwas aus uns heraus. Wünsche, dunkle Seiten, Dankbarkeit, Angst, alte Schuld, Freude, Empörung, Erleichterung und Heimweh, Heimweh, Heimweh. Die Verse und Geschichten lösen Gefühle aus. Gefühle befeuern. Gefühle tragen, spornen an, vom Verstand gelenkt, die eigene Lebensgeschichte zu bewerten, zu steuern und zu bewältigen. So hat der Glaube an Jesus Christus mit meinem Leben zu tun.

Vor meinem Studium stand ein Büchlein mit dem Titel: „Warum ich Jesus nicht leiden kann“. – Ich hab’s mir überlegt: Ich kann ihn gut leiden.
🙂

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