Mach’s wie Gott und werde Mensch

Ob es Gott gibt, kann ich in so einem Blog nicht abschliessend behandeln. Die Antwort bringt auch nichts. Gäbe es einen lückenlosen Beweis, gäbe es trotzdem genügend Leute, die sagen: „Der Beweis muss falsch sein.“ Ausserdem ist es besser, es gibt keinen Beweis für Gott. Erstens kann man in Zeiten des Zweifels etwas freier schimpfen und zweitens ist der Entscheid für den Glauben an Gott stets frei und ungezwungen. Das mag ich.

Es bleibt aber spannend: Wie ich letztens bei einem amerikanischen Theologen gelesen habe, sei eines mittlerweile wissenschaftlich erwiesen: Der Gott, an den Du glaubst, verändert dein Wesen. Dein Glaube prägt dein Gehirn. Und zwar jeder Glaube. Auch der Glaube an den Erfolg oder an eine reine Lehre. Wir sollten also darüber nachdenken, was wir glauben. Denn – wie es ein Bräutigam einmal gesagt hat – irgendetwas glaubt jeder.

Vor ein- bis dreitausend Jahren waren die Götter in manchen Kulturen Fabelwesen und Mischwesen. Bei den Ägyptern waren es Menschenkörper mit Tierköpfen. Oder bei den Azteken der Gott Quetzalcoatl eine Schlange mit Federn. Bei den Griechen und Römern und im alten Orient sehen sie dann aus wie Menschen. Unsterblich und mächtig. Aber entweder despotisch, parteiisch oder desinteressiert. In der Bibel ist es noch komplizierter. Gott wird von einem Stammesgott zu einem König und Weltenlenker. Ja, zum Schöpfer des Universums. Mal streng, mal zärtlich. Und im Neuen Testament, da wird Gott in Jesus Christus Mensch. Die Evangelien erzählen, Gott sei als Kind zur Welt gekommen, er habe gelebt und gearbeitet, er habe gelehrt, gelitten und ist gekreuzigt worden.

Ein Atheist wird vielleicht sagen, das zeige alles nur, dass die Götter von A-Z erfunden seien. Wenn das Gottesbild endlich menschlicher werde, dann werde hoffentlich der Mensch auch menschlicher und vernünftiger. Die Religion braucht es nicht. Ohne Religion wäre es auf jeden Fall besser.

Da bin ich mir nicht so sicher. Die gute Nachricht von einem menschlichen, leidenden Gott, der auf Gewalt und Rache verzichtet, die tut uns sehr gut. Einfach Mensch sein dürfen… mit allen Talenten und den Schwächen. Wirklich menschlich werden. – Wir sollten dieses Bild nicht aufgeben, sonst entsteht eine Lücke, die immer wieder von unmenschlichen „Göttern“ gefüllt wurde.

Ja, die Kirche hat in diversen Varianten dieses Leben immer wieder verteufelt. Aber andere Ideologien waren nicht viel besser: Die Aufklärer haben den Menschen mit einer Uhr verglichen. In der französischen Revolution wurden der reinen Vernunft Menschen geopfert. Dann den Maschinen. Dann dem Patriotismus der Nationalstaaten. Dann den Rassenlehren. Und jetzt sollten wir uns digitalisieren. Damit wir endlich perfekt sind. Du meine Güte. Dann glaube ich lieber an Jesus Christus. Und denke: „Mach’s wie Gott und werde Mensch.“

Wie hiess es nochmals in der Bibel? Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Wir sollten nichts zu einem Gott machen ausser – Gott. Und nichts zu einer Religion – ausser einer Religion.

Ich halte es für gesund, niemand anderen anzubeten, als den Gott, der am Kreuz gestorben ist. Und keinen anderen Kult zu betreiben, als kirchliches Brauchtum.