Muss ich an Gott glauben?

Es gibt sehr viele Menschen, die nicht an Gott glauben. Also muss man nicht. Schon gar nicht aus Angst. Ich denke, es gibt keine verlässlichen theoretischen Beweise, dass es Gott gibt. Ich packe das von woanders her an. Wenn ich überlege, wie Menschen am besten leben und miteinander umgehen können, komme ich auf vieles, was die christliche Tradition betont hat.

Zugegeben, ich bin christlich und kirchlich aufgewachsen. Dann habe ich es hinterfragt. Dann habe ich den Glauben zu meinem Beruf gemacht. Nach langen, emotionalen Widerständen weiss ich: Ich kann mich täuschen. Jeder Mensch kann alles anders sehen und leben. Millionen Menschen denken, leben und glauben anders als ich. Sie leben glücklich und für ihre Mitmenschen angenehm.

Mein christlicher Glaube ist zuerst einmal der Zufall meiner Geburt. Dann ist er eine Gewöhnung. Ich bin damit aufgewachsen. Und erst dann ist mein Glaube eine Wahl. Ich singe sehr gerne, ich liebe Räume mit guter Akustik. Die Musik gefällt mir fast immer. Ich mag Weihnachten. Ich mag Ostern. Ich mag die Geschichten von Jesus. Ich mag Kirchen. Ich liebe Taufen und Hochzeiten. Ich arbeite sehr sorgfältig an Beerdigungen. Ich staune immer noch, was das Leben für Geschichten schreibt. Mein Glaube strukturiert mein Leben und das Jahr. Das empfehle ich weiter und lebe es mit den Menschen, die zu meiner Kirche gehören. Aber ich habe den Horror, jemanden mit religiösen Aussagen zu belästigen. Ich bin kein Missionar. Ich bin Seelsorger.

Also. Die ethischen Werte und das humane Verhalten kann man gut auch anderswo finden. Aber mir gefällt die reformierte, christliche Variante davon. Ich lebe sie.

Was ich am christlichen Glauben einzigartig finde? (Oder einzigartig mühsam…?) Davon später mehr. Ebenso zu der Frage nach Wahrheit.

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