Segelschiffe, Jesus und Kung-Fu – mein Glaube Teil 1

Der Mensch denkt. Und was er denkt, prägt sein Handeln, ergo sein Leben. Was denke ich über diese Welt? Was glaube ich? Was glauben Sie? Seien wir vorsichtig, denn im Kopf und auf Papier ist alles möglich. Seien wir vorsichtig mit dem, was wir heimlich fantasieren.

Ich habe mich für Gedanken, Werte und ein Weltbild entschieden, das ich in der Geschichte und bei den Autoren dieses riesigen Geflechtes gefunden habe, das sich „Christentum“ nennt. Ich kann keinen dieser Werte belegen oder beweisen, wie man mathematische Aussagen beweisen kann. Aber ich kann damit beschreiben, was viele Menschen erleben und was sie sich erhoffen.

Die Suche nach absoluten Wahrheiten, die Suche nach einem Glauben an Gott, an den man dann glauben „muss“, das ist nicht meine Sache. Ich habe solche Diskussionen stundenlang geführt. Wenn jemand ein Argument nicht verstehen, nicht akzeptieren oder einfach leugnen will, dann kann er das. Ende der Kommunikation. Das wird aber langweilig. Denn dann haben wir noch nicht gelebt. Wie geht das überhaupt – leben?

Ich habe nach Leiden, Irrwegen und Schmerzen gelernt, dass ich mich entscheide, bewusst oder unbewusst, ob ich leben will oder nicht. Ich entscheide, ob ich selber entscheide, was ich entscheiden kann, oder ob ich allen Entscheiden ausweiche. (Kleines Beispiel: Wer raucht, überlässt einen Teil des Entscheides den Glimmstengeln…) Aber ich hasse es, aufzugeben: Ich will leben. Aber wie?

Wer bin ich überhaupt? Sind wir „begabte Schmalnasenaffen“ (E. O. Wilson) aus dem afrikanischen Grabenbruch? Sind wir Götter, Geistwesen eingesperrt in Körper, gefallene Engel oder Tiere?

Ich bin ein Mensch! Und mein Zuhause ist dieser kleine, blaue Planet. Mein Zuhause ist ein komplexes Ökosystem von grosser Schönheit. Alles Leben ist mit anderem Leben verbunden, wächst und muss wieder Platz machen. Die Natur ist nicht sicher. Aber gut. Die Natur ist meine Herkunft, mein Boden und meine Grenze.

Wie leben Menschen? Menschen teilen sich Aufgaben und Arbeit. Das ist eine gewaltige Erfolgsgeschichte. Ich liebe alte Segelschiffe. Segelschiffe symbolisieren für mich die Geschichte der Naturwissenschaften und was wir erreichen, wenn wir sicheres Wissen gewinnen. Segelschiffe symbolisieren für mich, wie gewitzt der Mensch ist, wie mutig, wie abenteuerlustig und wie verrückt. Verrückt? Ja, verrückt. Ein Anthropologe hat festgestellt, dass der Neandertaler nie über die Meere und über die grossen Gebirge ist. Homo sapiens hat sich, wir haben uns, von nichts aufhalten lassen, egal wie viele Artgenossen bei den Versuchen drauf gegangen sind.

Wir sehen relativ schlecht, wir riechen nicht gut, wir laufen nicht schnell und wir frieren leicht. Unsere Brut braucht viele Jahre unsere Hilfe. Aber wir sind gemeinsam unausstehlich, wir sind schlau, oft grausam und sehr anpassungsfähig. Das macht uns aber innerlich grenzenlos und heimatlos. Wir brauchen eine unsichtbare Ordnung, Leitlinien, Regeln, Konsequenzen, Aufgaben und Belohnungen. Was hilft uns dabei? Und was behindert uns?